Bund jüdischer Soldaten

 איגוד חיילים יהודים ( גרמניה )

Seit den Freiheitskriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts dienen deutsche Juden in deutschen Streitkräften. Sie verstanden ihren Dienst stets als religiös begründete Staatsbürgerpflicht. Aber schon kurz nach den Freiheitskriegen wurden sie systematisch von Vorgesetztenpositionen ferngehalten und in einer Gesellschaft, in der der Reservedienstgrad für die gesellschaftliche Anerkennung oft wichtiger war, als der eigentliche Beruf, diskriminiert. Bis in den Ersten Weltkrieg hinein sollten Juden Christen keine Befehle erteilen, gab es Versuche, Juden als "Gastvolk" von der Wehrpflicht auszuschließen. In dem angeblich aufgeklärten Preußen schaffte gerade ein einziger Jude den Sprung in die Stabsoffizier-Riege, während in den USA, UK, Frankreich oder Österreich-Ungarn schon längst jüdische Generäle erfolgreich ihre Fähigkeiten unter Beweise stellten. Mit der sogenannten Judenzählung 1916, die die jüdische "Drückebergerei" beweisen sollte, hatte Deutschland den Lackmustest seiner Integrationsfähigkeit gegenüber einer Minderheit, die schon lange vor der Völkerwanderung und damit vor den meisten heimischen "Germanen" innerhalb des römischen Territoriums gesiedelt hatten, endgültig nicht bestanden. Nach dem Verrat ihrer Treue durch das nationalsozialistische Regime und seine Helfershelfer taten sich die Überlebenden des Massenmordes schwer, wieder Vertrauen in deutsches Militär zu setzen. Heute finden nach zarten Anfängen in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder vermehrt Jüdinnen und Juden ihren Weg in die Streitkräfte. Viele Jüdinnen und Juden mit deutscher Staatsbürgerschaft dienten oder dienen daher aber auch in der israelischen Armee. Auch für diese wollen wir Ansprechpartner sein.

Für Jüdinnen und Juden als Berufsanfänger in der Bundeswehr gilt:

Als Angehöriger einer kleinen religiösen Gruppe werden Sie als Bundeswehrangehöriger nur vereinzelt auf andere Jüdinnen oder Juden stoßen. Viele Bundeswehrstandorte sind nicht in erreichbarer Nähe jüdischer Gemeinden. Sie können nicht damit rechnen, dass Ihre Vorgesetzten im Detail das Judentum kennen. In all diesen Belangen müssen Sie auch bei Bedarf selber aktiv gestalten und informieren. Dabei helfen wir Ihnen gerne. Wir verfügen über ein gutes Netzwerk. 

Als Organisation von aktiven, pensionierten und Reservedienstleistenden Soldatinnen und Soldaten kennen wir die meisten Ihrer Fragen. Wir arbeiten eng mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland zusammen und sind mit den jüdischen Militärorganisationen der Bündnispartner sowie Rabbinaten vernetzt. Wir sind für Sie da. Neben Ihren Vorgesetzten und der Militärseelsorge der Bundeswehr stehen wir unabhängig von den Institutionen der Bundeswehr bereit, Ihnen „von Jüdin zu Jüdin“ bzw. „von Jude zu Jude“ mit Rat und Tat zu helfen.

Sie wollen bei uns mitgestalten?

Sie wollen mitwirken bei unserer Forschungs- und Erinnerungsarbeit? Sie wollen einfach nur einen Erfahrungsaustausch? Wir helfen Ihnen gerne. Sie sind Jüdin oder Jude und haben als Angehöriger der Bundeswehr Fragen zu Kashrut (Speisegesetze), Feiertagsregelungen,  Besonderheiten im militärischen Alltag oder benötigen den Rat eines Rabbiners?  Sie haben in der Zahal  gedient oder dienen in der Zahal, sind deutscher Staatsbürger und wollen eine Plattform zum Interessenaustausch nutzen? Wir freuen uns auf Sie.

Erinnerungskultur

Als jüdische Soldatinnen und Soldaten in Deutschland sind wir in besonderer Weise dem Erbe unserer Vorfahren, ihrem durch das NS-Regime geschändeten Andenken und der Abwehr des Antisemitismus verpflichtet.

In vielen Gedenk- und Informationsveranstaltungen erinnern wir jedes Jahr unter Beteiligung jüdischer Gemeinden, der Rabbinate, der Bundeswehr und Bildungseinrichtungen an das Schicksal der jüdischen Frontsoldaten und ihren Vorgängern. Ihr Kampf als Soldaten um gesellschaftliche Anerkennung und Gleichberechtigung kann in besonders guter Weise verdeutlichen, für welche Werte das deutsche Judentum gestritten hat, die heute im deutschen Staat und unserer Bundeswehr  so selbstverständlich verwirklicht sind:  Gleichberechtigung als Staatsbürger, den Soldaten als Staatsbürger in Uniform, Religionsfreiheit und Anerkennung der Pluralität der Lebenswege.